Der Kühlschrank, der nicht mehr Frau Bergmann gehörte

Die Kassiererin bei Edeka in der Sonnenallee hatte schon viele unangenehme Szenen erlebt, aber diese blieb ihr im Gedächtnis. Es war ein Donnerstagabend, kurz vor halb sieben, die Schlange an Kasse drei wurde länger, und vor ihr stand ein Mann Ende vierzig mit einem Einkaufswagen voller Dinge, die eindeutig nicht für eine Person gedacht waren: zwei Kilo Rinderfilet, ein ganzes Sortiment an Käse, drei Flaschen Spätburgunder, dazu Rasierklingen einer Edelmarke und ein Deodorant, das er wahrscheinlich selbst nie bezahlt hatte.

— Warum geht die Zahlung nicht durch? Ist etwa kein Geld drauf? — fragte er gereizt, während er sein Handy zum zweiten Mal ans Terminal hielt.

— Die Karte wird abgelehnt, — sagte die Kassiererin und schaute auf den Bildschirm.

Neben ihm stand seine Frau, eine Frau um die fünfundvierzig mit grauen Strähnen im dunklen Haar, die Handtasche über der Schulter. Sie hieß Karin Vogt, arbeitete seit einundzwanzig Jahren als Fachärztin für Innere Medizin am Klinikum Neukölln, und ihr Mann Dieter hatte sich in den letzten Jahren angewöhnt, ausschließlich mit ihrer Karte zu bezahlen — die eigene, sagte er immer, sei "für Notfälle reserviert".

— Karin, hast du deine Karte dabei? — Er streckte die Hand aus, ohne sie überhaupt anzuschauen.

Hinter ihnen bildete sich eine kleine Schlange. Eine ältere Dame mit einem Netz voller Brötchen räusperte sich demonstrativ.

— Ja, — antwortete Karin, öffnete ihr Portemonnaie, zog die Karte heraus, hielt sie aber in der Hand, ohne sie ans Terminal zu führen.

— Dann leg sie doch hin, — sagte Dieter, jetzt schon lauter.

— Nein. Mit dieser Karte bezahle ich deine Einkäufe nicht mehr.

Er starrte sie an, als hätte sie gerade etwas völlig Absurdes von sich gegeben.

— Wie bitte?

— Ganz einfach. Nicht mehr.

Die Kassiererin, eine junge Frau namens Elif, die diesen Job seit zwei Jahren machte und eigentlich in zwanzig Minuten Feierabend hatte, tat das, was sie in solchen Momenten immer tat: sie schaute stur auf den Bildschirm und wartete ab. Sie wollte nicht in Familienstreitigkeiten hineingezogen werden, aber ganz konnte sie das Gespräch nicht überhören.

— Karin, mach jetzt keine Show, die Leute warten, — zischte Dieter.

— Die Leute können ruhig warten, — sagte Karin und legte ihre Karte zurück ins Portemonnaie.

Sie begann, aus dem Einkaufswagen die Dinge herauszunehmen, die eindeutig nicht für den gemeinsamen Haushalt bestimmt waren: die Rasierklingen, das Deo, eine Packung teurer Zigarren, die er "für die Herrenrunde am Wochenende" gekauft hatte, und eine Flasche eines besonders teuren Rotweins, den nur er trank, weil ihr davon Kopfschmerzen bekamen. Sie legte alles ordentlich auf einen freien Bereich des Kassenbands, dahin, wo die Elif sonst die Werbeflyer stapelte.

— Das brauche ich nicht bezahlen. Der Rest — Fleisch, Gemüse, der Käse für den Sonntag — das zahle ich. Aber deine persönlichen Sachen: nicht mehr.

— Karin, das ist doch lächerlich, wir sind seit dreiundzwanzig Jahren verheiratet —

— Genau. Dreiundzwanzig Jahre, in denen ich gearbeitet habe, und du hast entschieden, dass mein Konto auch dein Konto ist.

Elif zog die verbleibenden Artikel über den Scanner, kassierte einundvierzig Euro und siebzig Cent, und Karin bezahlte mit ihrer Karte, ruhig, ohne Eile. Dieter stand daneben, das Handy noch immer in der Hand, das Gesicht gerötet. Die Frau mit den Brötchen hinter ihnen tat so, als würde sie ihr Handy checken, hörte aber jedes Wort.

Was Dieter nicht wusste — was er seit Monaten nicht wusste — war, dass diese Szene an der Kasse nicht aus dem Nichts kam. Vor sechs Wochen hatte Karin bei ihrem Steuerberater in der Hermannstraße die gemeinsamen Kontoauszüge der letzten zwei Jahre durchgesehen, weil die jährliche Steuererklärung anstand. Dabei war ihr aufgefallen, dass von ihrem Gehaltskonto monatlich Beträge abgingen, die sie nicht zuordnen konnte: eine Kreditkartenabrechnung für eine Karte, die formal auf ihren Namen lief, aber die Dieter benutzte, um seine eigene Autowerkstatt querzufinanzieren — eine kleine Reifenwerkstatt in Rudow, die er vor vier Jahren mit einem Kumpel eröffnet hatte und die seitdem nur Verluste einfuhr. Über achtzehn Monate hinweg waren so knapp siebzehntausend Euro von ihrem Konto in dieses Geschäft geflossen, ohne dass sie je gefragt worden wäre, ohne dass ihr Name auf einem einzigen Papier der Werkstatt stand.

Sie hatte nichts gesagt. Sie hatte einen Termin bei einer Anwältin für Familienrecht in Steglitz gemacht, ihre eigenen Unterlagen zusammengetragen — Gehaltsnachweise, Kontoauszüge, den Ehevertrag, den sie 2003 unterschrieben hatten und der eine Gütertrennung vorsah, was Dieter im Laufe der Jahre bequem vergessen hatte. Die Anwältin hatte ihr geraten, zunächst das gemeinsame Girokonto in ein reines Haushaltskonto mit klaren Grenzen umzuwandeln, ihre eigene Karte separat zu führen und sämtliche automatischen Lastschriften zu prüfen. Karin hatte das in aller Stille erledigt: ein neues Konto bei der Berliner Sparkasse eröffnet, ihr Gehalt dorthin umgeleitet, und dem alten gemeinsamen Konto nur noch einen festen monatlichen Betrag für Miete und Lebensmittel zugewiesen.

Dieter hatte es nicht bemerkt, bis heute Abend im Supermarkt, als seine gewohnte Karte plötzlich ins Leere lief.

— Das können wir zu Hause klären, — sagte er, als sie mit den Einkaufstüten zum Auto gingen, ein grauer VW Passat, den, wie sich später herausstellen sollte, ebenfalls überwiegend Karin abbezahlt hatte.

— Es gibt nichts zu klären, Dieter. Ich habe mit der Anwältin gesprochen. Die Werkstatt in Rudow, die siebzehntausend Euro von meinem Konto — das alles liegt jetzt bei ihr.

Er blieb auf dem Parkplatz stehen, unter der Natriumdampflampe, die den ganzen Asphalt orange färbte, und für einen Moment sagte er gar nichts.

— Du hast einen Anwalt eingeschaltet? Wegen der Werkstatt?

— Wegen meines Geldes. Die Werkstatt ist deine Sache. Aber es war nie unser gemeinsames Geld, das dort reingeflossen ist — es war meins.

Zu Hause, in ihrer Dreizimmerwohnung in Britz, unweit vom Britzer Garten, wo im Herbst immer die Kastanien vom Baum vor dem Haus auf die Motorhauben fielen, holte Karin am nächsten Morgen eine blaue Mappe aus der Kommode im Flur. Darin lagen die Kopien der Kontoauszüge, der Ehevertrag, die Aufstellung der Anwältin. Sie legte die Mappe auf den Küchentisch, während Dieter noch im Bademantel Kaffee trank und der Radiowecker die Verkehrsmeldungen für die A100 durchgab.

— Ich habe der Bank eine Vollmachtsänderung geschickt, — sagte sie. — Ab dem Ersten nächsten Monats hast du keinen Zugriff mehr auf mein Gehaltskonto. Und ich habe der Anwältin den Auftrag gegeben, die siebzehntausend Euro als Darlehen zu deklarieren, das du mir zurückzahlst — mit den Belegen, die ich habe, wird das kein Problem sein.

Dieter schwieg lange, rührte in seinem Kaffee, obwohl kein Zucker mehr darin war.

— Und wenn ich das nicht kann? Die Werkstatt läuft schlecht genug.

— Dann verkauf deinen Anteil an Klaus. Das ist nicht mein Problem mehr.

Er stand auf, ging zum Fenster, schaute hinunter auf den Parkplatz, wo der Passat stand, den er in Gedanken schon lange als "seinen Wagen" bezeichnet hatte. Unten lief der Nachbarshund, ein alter Dackel namens Bruno, an der Leine seines Herrchens vorbei und blieb kurz an der Mülltonne stehen. Ein völlig belangloser Moment — und trotzdem einer, an den sich Karin später noch erinnern würde, weil in diesem Augenblick die Stille zwischen ihr und Dieter zum ersten Mal nicht bedrohlich, sondern einfach nur endgültig war.

— Karin, dreiundzwanzig Jahre —

— Genau deshalb reicht es jetzt.

Sie stellte ihre Kaffeetasse in die Spüle, zog ihren Mantel an, weil ihre Schicht in der Klinik um acht begann, und ging zur Tür. Bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal um.

— Die Mappe bleibt hier. Lies sie in Ruhe.

Ein halbes Jahr später erfuhr Karin durch Zufall bei einem Treffen mit Klaus' Frau im Wartezimmer der Klinik, dass Dieter die Werkstatt in Rudow tatsächlich verkauft hatte — allerdings nicht an Klaus, sondern an einen fremden Investor, für einen Betrag, der gerade ausreichte, um ihr die siebzehntausend Euro zurückzuzahlen und die Scheidung zu finanzieren, die im Frühjahr rechtskräftig wurde. Den Passat hatte Karin behalten, den Ehevertrag von 2003 hatte die Anwältin nur ein einziges Mal aus der Mappe holen müssen. Und die blaue Mappe selbst liegt heute noch, mit ein paar zusätzlichen Blättern ergänzt, im untersten Fach ihrer neuen Kommode — in der Wohnung, die sie inzwischen allein in Alt-Britz bewohnt, mit Blick auf genau die Kastanie, die jeden Herbst ihre Früchte auf einen Parkplatz wirft, auf dem inzwischen ein anderes Auto steht.

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