Das Rauschen der Jahre

Die alte Standuhr im Flur schlug elf, als ich das Geschirr vom Abendbrot in die Spüle stellte. Mein Rücken brannte. Nicht dieser eine, scharfe Schmerz, sondern ein tiefes, dumpfes Glühen, das sich vom Kreuz bis in die Kniekehlen zog. Acht Stunden hatte ich an diesem Samstag im Garten gestanden, die Kartoffeln gehäufelt, die Tomaten ausgegeizt und die letzten Johannisbeeren für den Gelee gepflückt. Acht Stunden für die drei vollen Tiefkühlfächer, die meine Schwiegertochter Laura jeden Herbst so schätzte.

Mein Telefon vibrierte auf der Anrichte. Laura. Ich wischte den Hörer an.

„Mama? Ich bin’s. Hör zu, ich hab’s eilig, der Friseur wartet. Tim und ich überlegen, wegen des Sommers. Du nimmst die Kinder doch wieder?“

Ich lehnte mich an den Küchenschrank. „Laura, ich…“

„Super. Ich wusste es. Du bist die Beste, Mama. Ach ja, und gib ihnen bitte kein Geld für den Kiosk. Die stopfen sich nur Süßigkeiten rein. Bei dir gibt’s doch eh alles aus dem Garten, da spart man sich den Biomarkt.“

Das war kein Versehen. Laura wusste genau, was sie sagte.

„Laura, ich muss mit Tim sprechen. Es ist wegen…“

„Später, Mama. Termin. Küsschen!“

Es klickte in der Leitung. Ich legte das Telefon ab und presste die Handflächen auf das kühle Wachstuch, bis das Blut daraus wich.

Ich bin dreiundsechzig. Früher habe ich in der Buchhaltung eines großen Logistikzentrums am Hafen gearbeitet. Zahlenkolonnen, Belege, Bilanzen. Ich war gut darin. Jetzt bin ich Rentnerin mit einer Parzelle am Stadtrand von Schwerin, mit sieben Obstbäumen, einem Gewächshaus und einem kaputten Bohrbrunnen, der das Wasser nur noch tröpfchenweise hergibt, sodass ich jeden Abend mit der Gießkanne vom Außenhahn laufe.

Vor drei Jahren rief Tim an. Es war ein Donnerstag, ich hatte gerade die Lohnabrechnung für Juni abgeschlossen.

„Mama, es ist so weit. Wir brauchen dich. Weißt du, Laura bekommt diese neue Stelle im Marketing, und die Kinder haben zwölf Wochen Ferien. Wir dachten, sie könnten bei dir auf dem Land sein. Frische Luft, Platz zum Toben. Du freust dich doch immer so, wenn sie da sind. Das hast du selbst gesagt: Enkel sind das Glück des Alters. Wir bringen sie am Samstag vorbei. Nur das Nötigste, Bettwäsche und so. Ach, und Mila macht nachts noch manchmal ins Bett. Aber das ist halb so wild, die hat so eine Gummiunterlage. Bis Samstag!“

Ich hatte keine Wahl. Nicht wirklich. Nicht als Mutter. Nicht als Großmutter. Also sagte ich: „In Ordnung, Tim. Bring sie her.“

In den ersten Sommerferien war es hart. Mila war drei und schrie jede Nacht nach ihrer Mutter. Zwei Stunden, drei Stunden, bis sie erschöpft einschlief. Ich trug sie im Arm durch die Stube, summte das alte Schlaflied der Brüder Grimm, das ich Tim einst vorgesungen hatte. Irgendwann schlief sie auf meinem Bauch ein, während ich auf dem Sofa saß, in die Dunkelheit sah und mit dem Daumen über die abgestoßene Kante der Lehne strich.

Juli wurde August. Mitten in der ersten Ferienwoche des zweiten Jahres bekam ich so starke Schulterschmerzen, dass ich den Arm nicht mehr heben konnte. Die Ärztin spritzte mir ein Kortison-Depot und wollte mich krankschreiben. Ich lachte nur. Wem sollte ich die Krankschreibung geben? Ich betreute drei Kinder, kein einziges über zwölf, kochte, wusch, jätete Unkraut und wechselte nachts die Bettlaken.

Als Tim die Kinder Ende August abholte, drückte er mir einen Fünfzig-Euro-Schein in die Hand. „Für den Sprit und so.“ Laura streifte mit zwei Stoffbeuteln durch den Garten, pflückte Zucchini, Johannisbeeren und die letzten reifen Tomaten. Die Tiefkühltruhe war bis oben hin voll.

„Mama, du bist ein Schatz“, sagte sie und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Die Kinder sind so braun geworden und so ausgeglichen. Das macht die Landluft. Nächstes Jahr sehen wir uns wieder!“

Sie fuhren los. Ich trug die schmutzige Wäsche ins Haus, stapelte sie vor der Waschmaschine und setzte mich auf die Truhe im Flur. Keine Tränen. Nur Leere.

Im dritten Jahr wiederholte sich das Ganze. Wie ein Ritual. Nur dass ich inzwischen nicht mehr schlafen konnte, ohne vorher zwei Baldriantabletten zu nehmen. Meine Hände waren rau und rissig, im Garten schaffte ich das Unkraut nicht mehr, und der Nachbar links von mir, Herr Kühn, fragte jeden Morgen, ob ich Hilfe bräuchte. Ich winkte ab.

An jenem Abend, nach Lauras Anruf, blieb ich lange wach. Ich holte einen alten Abrechnungsblock aus der Schublade, so einen mit linierten Seiten und festem Einband, den wir früher für die Quartalsbilanzen genutzt hatten. Und dann rechnete ich.

Sommerferienbetreuung am Ort: zwölf Wochen Ganztagsangebot für drei Kinder — 2.400 Euro pro Kind. Macht 7.200 Euro.

Für den Großen, Lukas, elfeinhalb: Mathenachhilfe bei einem Studenten, damit er den Anschluss nicht verliert. Zwei Mal pro Woche, fünfundzwanzig Euro die Stunde. Zwölf Wochen — 600 Euro.

Verpflegung für drei Kinder im Monat: Laura hatte einmal am Telefon erwähnt, dass sie zuhause für Biolebensmittel achthundert Euro pro Monat einplant. Im Sommer etwas weniger, weil kein Schulessen. Sagen wir 600 Euro für drei Kinder. Zwölf Wochen — 1.800 Euro.

Schwimmkurse, Bastelnachmittage, Eintrittsgelder für den Tierpark, das Technikmuseum, das Planetarium — nochmal locker 500 Euro pro Kind. 1.500 Euro.

Kleidung, Schuhe, Regenjacken, Gummistiefel, die jedes Jahr zu klein wurden: 400 Euro.

Und jetzt mein Garten. Die Ernte, die Laura jedes Mal mitnahm, war für den Biomarkt gerechnet locker 600 Euro wert. Den mühsamen Anbau, die Pflege, das Gießen und Einwecken nicht einmal eingerechnet.

Unter dem Strich: 12.100 Euro. Pro Sommer.

Ich legte den Kugelschreiber hin und schloss die Augen. Zwölftausendeinhundert Euro. Und das, während Laura und Tim sich auf den Kanaren den Wind um die Nase wehen ließen. „Zwei Wochen Teneriffa im Juni, und vielleicht fliegen wir im August nochmal eine Woche weg“, hatte Laura bei ihrem letzten Besuch erzählt. „All inclusive. Wir haben uns das verdient.“

Ich hatte keine Reise verdient. Ich hatte mir ein kaputtes Schultergelenk, nächtliches Bettnässen und die Erwartung verdient, dass man mich nicht bezahlen musste. Weil Großmutter sein ja „Freude“ ist.

In dieser Nacht schlief ich nicht. Ich packte eine Reisetasche und buchte um fünf Uhr morgens, als draußen die ersten Vögel zwitscherten, einen Aufenthalt in einer Kurklinik auf Rügen. Zweiundzwanzig Tage, mit ärztlich verordneten Anwendungen, Strandlage und Halbpension. 1.980 Euro. Frühbucherrabatt. Abreise in zehn Tagen.

Dann schrieb ich Tim. Nicht rief ich an — ich schrieb.

Lieber Tim,

in diesem Jahr übernehme ich die Kinderbetreuung im Sommer nicht. Ich fahre am 3. Juli für zweiundzwanzig Tage in eine Kurklinik auf Rügen. Die Reise ist bereits bezahlt. Es tut mir leid, dass ich so spät Bescheid gebe, aber der Entschluss ist heute Nacht gereift. Kümmere dich mit Laura um eine Lösung.

Lukas kann mich besuchen kommen, wenn er möchte. Er ist alt genug und kann mir im Garten helfen.

Ich bin müde, Tim.

Deine Mama

Die Antwort kam um acht Uhr siebzehn. Tim rief an.

„Mama, ich verstehe das nicht. Das ist ein Scherz, oder? Wir haben alles geplant. Laura hat einen wichtigen Termin im Juli, danach fahren wir zu Freunden nach Dänemark. Die Kinder können nicht mit.“

„Dann musst du umplanen, Tim. So wie ich umplanen musste, als du mir vor drei Jahren Bescheid gesagt hast. Einen Tag vorher. Am Telefon. Ohne zu fragen.“

„Mama, das ist doch Quatsch. Das war eine Notsituation damals. Laura war so fertig, und du hast den Platz und den Garten, und du bist gerne draußen. Du machst das doch gern. Das hast du immer gesagt. Ich dachte…“

„Tim. Ich habe nie gefragt, ob ich es gerne mache. Du hast es angenommen. Das ist der Unterschied. Ich habe am Donnerstag meinen Einlassungstermin in der Klinik. Wenn du reden willst, komm vorher alleine. Ohne Kinder. Ohne Laura. Ich bin im Garten.“

Er kam nicht. Stattdessen standen sie am Samstag darauf zu viert auf meiner Auffahrt. Tims silberner VW-Bus knirschte auf dem Splitt. Laura zog die Schiebetür auf, noch bevor der Motor aus war, und begann, Reisetaschen auszuladen. Mila sprang mit ihrem Stoffhasen heraus und rannte auf mich zu. Lukas stieg betont ruhig aus, die Hände in den Hosentaschen, und sah mich an.

Ich stand an der Haustür, die Arme verschränkt.

„Mama. Wir müssen reden.“ Tim kam mit ausgebreiteten Armen auf mich zu.

„Das können wir. Aber zuerst lädst du die Taschen wieder ein. Die Kinder bleiben heute nicht hier.“

Laura richtete sich auf. „Das ist wohl nicht Ihr Ernst, Mama. Wir haben zwölf Stunden Arbeit in den nächsten zwei Wochen und ein Ferienhaus in Dänemark bezahlt, das Geld sehen wir nicht wieder. Sie können doch jetzt nicht einfach kneifen. Die Kinder sind Ihre Enkel!“

Ich sah Tim an, nicht Laura.

„Tim. Vor drei Jahren hast du mich einen Tag vorher angerufen. Ich habe keine Fragen gestellt. Ich habe euch geholfen, weil ich dachte, ihr braucht mich. Aber jetzt habe ich gesehen, dass ihr mich nicht gebraucht habt. Ihr habt mich benutzt.“

„Mama! Wie kannst du so etwas sagen. Wir lieben dich. Die Kinder lieben dich. Du weißt doch, wie das läuft in Familien. Man hilft sich. Du hast mir immer beigebracht, dass man füreinander da ist. Dass man sich aufeinander verlassen kann. Und jetzt… das ist Verrat. Du verrätst deine eigenen Enkel!“

Lukas tat einen Schritt auf mich zu. Er war in dem Jahr gewachsen, überragte mich fast. „Oma? Kann ich trotzdem bei dir bleiben? Ich will dir helfen. Bei den Johannisbeeren. Und ich will angeln am See. Wie letztes Jahr. Papa hat gesagt, du willst nicht mehr. Aber das stimmt doch nicht, oder?“

Ich sah ihn an. Seine Stimme war ruhig, aber er hielt die Hände zu Fäusten geballt in den Taschen.

„Doch, Lukas. Ich will nicht mehr so, wie es war. Aber du kannst bleiben. Wenn du möchtest. Für ein paar Wochen nur du und ich. Ohne Trubel. Einfach See und Garten. Und abends lesen wir das Buch von Krabat weiter, das wir letztes Jahr angefangen haben. Einverstanden?“

Er senkte den Kopf, einmal, knapp.

Tim hob die Hände. „Mama. Das ist jetzt wirklich das Ende. Ich dachte, du hast uns lieb. Aber du bist nur egoistisch. Egoistisch und kalt. Ich erkenne dich nicht wieder. Du wirst einsam sterben. In deinem Garten. Und keiner wird kommen, um zu helfen. Willst du das?“

„Tim. Ich bin nicht einsam. Ich bin müde. Ich bin müde von dieser Vorstellung, dass Liebe bedeutet, sich selbst zu vergessen. Dass man als Mutter und Großmutter kein Recht auf eigene Zeit hat. Dein Vater hätte das verstanden. Dein Vater hätte dir gesagt: Junge, pass auf, dass du deine Mutter nicht verlierst, bevor sie gar nicht mehr ist. Aber er ist nicht mehr da. Also sage ich es dir selbst. Fahr jetzt. Mit Laura. Mit den Kindern. Lukas bleibt hier. Ihr ruft an, wenn ihr eine Lösung habt. Eine, die nicht bedeutet, dass ich drei Monate lang die unsichtbare Haushälterin bin, während ihr auf Kurzurlaub fahrt. Die Kanaren, Dänemark — das habe ich alles mitgehört, Laura. Du sprichst laut genug am Telefon. Und jetzt entschuldige mich, ich muss die Tomaten gießen, der Brunnen tropft nur noch, das dauert eine Weile.“ Ich drehte mich um und ging ins Haus. Ich hörte Laura mit schriller Stimme auf Tim einreden, dann Türenschlagen, dann den Motor. Eine halbe Stunde lang hörte ich nur das Quaken der Frösche vom Teich.

Die Zeit auf Rügen war ein Geschenk. Jeden Morgen saß ich auf der Düne und schaute zu, wie die Wellen den Strand umspülten. Ich machte Wassergymnastik, bekam Fangopackungen und lernte im Speisesaal eine Frau kennen, Vera, zweiundsechzig, pensionierte Lehrerin aus Rostock, deren Mann vor vier Jahren gestorben war. Sie erzählte von ihrem Sohn, der in Zürich lebte und Weihnachten mit den Kindern nach Hause kam. Sie hatte Tränen in den Augen, nicht vor Trauer, sondern vor Rührung. Ich verstand sie sofort.

Als ich zurückkam, stand Lukas an der Bahnhofstraße und winkte. Er hatte die Einfahrt geharkt und einen Strauß Sommerastern in eine leere Marmeladenglasvase gestellt. Wir haben an dem Abend Würstchen gegrillt und saßen bis in die Nacht.

Zwei Wochen später stand Frau Sawatzki, die Nachbarin von gegenüber, vor meinem Hoftor. Sie trug ein Kopftuch, wie immer, wenn sie ihre Rosen goss. Sie kam nicht auf einen Plausch vorbei.

„Frau Kröger. Ich muss mal mit Ihnen reden. Ihr Sohn und Ihre Schwiegertochter haben letzte Woche bei uns im Kirchenvorstand gesessen. Laura hat geweint. Sie haben erzählt, Sie hätten die Enkel kurzerhand vor die Tür gesetzt. Im Stich gelassen. Wegen so einer Kurreise. Wissen Sie, was die halbe Gemeinde jetzt von Ihnen denkt?“

Ich lehnte den Rechen an den Apfelbaum und trocknete mir die Hände an der Kittelschürze ab.

„Frau Sawatzki. Soll ich Ihnen sagen, was die halbe Gemeinde nicht weiß? Dass ich drei Sommer lang kein Wochenende, keinen freien Tag, keine einzige ungestörte Stunde hatte. Dass ich mit drei Kindern allein war, während mein Sohn und seine Frau in den Urlaub geflogen sind. Zwei Mal im Jahr. All inclusive. Dass ich die letzten Ersparnisse meines Mannes in eine neue Heizung gesteckt habe, weil die Kinder im Herbst gefroren haben. Und dass ich nicht einmal gefragt wurde, ob ich das alles will. Das, Frau Sawatzki, wäre Verrat an mir selbst gewesen. Jetzt richten Sie ruhig weiter, was Sie nicht kennen. Gottes Segen dafür.“

Ihr Mund öffnete sich und schloss sich zweimal, bevor sie sich abrupt umdrehte und über die Straße zurückging, ohne ein weiteres Wort. Die Rosen goss sie an diesem Tag nicht.

Erst als ich im Haus war, merkte ich, dass meine Hände zitterten.

Im September kam Tim allein. Er brachte einen Kuchen mit. Schwarzwälder Kirsch, selbstgebacken, sagte er. Wir saßen auf der Terrasse, und er erzählte von der Arbeit, von der neuen Garage, von den Kindern. Laura sei auf Fortbildung in Hamburg, sagte er, deshalb allein.

Irgendwann, als die Wespen um den Kuchen sirrten und das Licht schon schräg durch die Blätter fiel, sagte er: „Mama. Es tut mir leid. Ich habe es nicht kapiert. Ich dachte, es ist normal. Dass du das für uns machst. Ich habe nie darüber nachgedacht, was es dich kostet. Laura… Laura hat mir das Telefonat erklärt. Sie wollte das nicht laut sagen, meint sie. Sie hat Angst, dass du uns jetzt hasst. Ich… ich weiß auch nicht, wie es weitergehen soll. Aber ich wollte, dass du das weißt. Dass es mir leidtut. Wirklich. Und wir bezahlen dir die Kur. Das ist das Mindeste. Sag bitte nicht nein.“

Ich legte meine Hand auf seine. Die Haut war rau und sommersprossig, aber es war meine Hand, und es war sein Arm, an dem eine feine weiße Narbe vom Sturz mit dem Fahrrad zu sehen war, vor dreißig Jahren.

„Ich habe euch nie gehasst, Tim. Ich war nur so müde, dass sogar das Gefühl für Wut kalt geworden ist. Die Kur habe ich selbst bezahlt. Die nächste auch. Ich fliege nächstes Frühjahr mit Vera, der Frau aus der Klinik, für eine Woche nach Wien. Zwei alte Damen im Museumsquartier. Das Geld ist da, der Husten auch, und die Lust am Leben ist größer als die Angst vor dem Tod. Das ist die Wahrheit. Möchtest du noch ein Stück Kuchen?“

Tim aß schweigend, und es war das beste Schweigen, das wir seit vielen Jahren miteinander geteilt hatten.

Im Oktober habe ich die holländischen Blumenzwiebeln gepflanzt, die ich im Frühjahr gekauft und nie eingesetzt hatte. Tulpen, orange mit lila Spitzen. Und Krokusse dazwischen, für das zeitige Frühjahr. Die Erde war noch warm genug, ich grub mit dem Spaten tiefe Löcher, setzte die Zwiebeln einzeln hinein und rückte sie mit dem Daumen zurecht. Die Kartonscheide einer Zwiebel löste sich und blieb an meinem Ringfinger kleben. Sie raschelte leise, ein trockenes, hoffnungsvolles Geräusch.

Lukas half mir, ein Rankgitter für die Clematis aufzustellen, und danach holte er zwei Flaschen Malzbier aus dem Keller. Wir saßen auf der umgekippten Schubkarre und stießen an. Der Himmel war klar, und in der Luft hing der Geruch des frisch umgegrabenen Beetes, schwer und erdig, und darunter, ganz leicht, der Duft der letzten späten Rosen von drüben, von Frau Sawatzkis Zaun. Die Tulpenzwiebeln sind in der Erde, tief und fest.

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