# Der brennende Porsche am Ebertplatz

„Herr Baumann, fahren Sie hier weg, sonst schaffen Sie es nicht mehr!" — rief die Putzfrau Sabine Krüger und sprang auf den Bürgersteig vor dem Kölner Bürohaus am Ebertplatz, als der silberne Range Rover ihres Nachbarn, Robert Baumann, sie nur um Haaresbreite verfehlte, in eine Pfütze fuhr und ihre blaue Schürze von oben bis unten bespritzte. Es war Dienstag, zehn Uhr morgens, Mitte November — so ein Kölner Nieselregen, dass sich sogar die Tauben unter der Markise der nahen Bäckerei verkrochen. Robert streckte den Kopf aus dem gekippten Fenster und blaffte: „Aus dem Weg, Putzfrau, haben Sie überhaupt eine Ahnung, was die Lackierung von so einem Wagen kostet?!" Sabine klopfte sich die Ärmel ab, zog aus der Schürzentasche ihren laminierten Ausweis und ging auf den Wagen zu, unter dessen Motorhaube bereits ein dünnes Rauchfähnchen aufstieg.

Sie war nicht gekommen, um Treppenhäuser zu putzen. Sie war als Gerichtsvollzieherin hier, um die Pfändung gegen Baumanns Spedition zuzustellen — eine Firma, die seit zwei Jahren Möbel für eine Handelskette im Rheinland transportierte und inzwischen ihren Fahrern und Subunternehmern 1,31 Millionen Euro schuldete. Die Putzschürze trug sie nicht zur Tarnung, sondern weil sie vor der Arbeit ihrer Mutter beim Treppenhausputzen in Ehrenfeld geholfen hatte — und keine Zeit mehr gehabt hatte, sich umzuziehen, denn die gerichtliche Ladung war um acht Uhr morgens gekommen, dringend, mit sofortiger Vollstreckbarkeit.

Ich muss hier gleich etwas sagen: Ich habe das alles anders erlebt, als es von außen aussieht. Denn dieser Fahrer war ich.

Ich bin kein Ungeheuer, das vorsätzlich Menschen betrogen hat. Die Firma habe ich vor fünf Jahren von meinem Vater übernommen, als er schon Herzprobleme hatte und die Spedition nicht mehr führen konnte. Die ersten drei Jahre lief es gut — wir hatten zwanzig Lastwagen, einen Vertrag mit einer Möbelkette, ich konnte mir sogar eine Wohnung in Sülz kaufen. Aber die Spritpreise stiegen, ein Geschäftspartner ging pleite und ließ mir eine Rechnung über 190.000 Euro zurück, und statt der Buchhalterin zu gestehen, dass wir ein Loch im Budget hatten, fing ich an, die Überweisungstermine zu verschieben. Erst einen Monat, dann zwei. Den Fahrern erzählte ich, das Bankensystem sei ausgefallen. Ich schämte mich zuzugeben, dass ich kein Geld hatte — mein Vater hätte das nie verstanden, er hatte sein Leben lang die Leute auf den Cent genau bezahlt, noch bevor er sich selbst etwas gönnte.

An jenem Morgen wusste ich noch nicht, dass die Firmenkonten eine Viertelstunde zuvor vom Finanzamt gesperrt worden waren. Ich wusste nur, dass ich meine Frau vom Friseur in der Südstadt abholen wollte, weil wir zum Jahrestag in ein Restaurant am Heumarkt essen gehen sollten, und dass irgendeine Frau in Putzschürze mir mitten in der Ausfahrt der Tiefgarage im Weg stand, als hätte sie genau auf mich gewartet.

„Gemäß Paragraf 81 der Insolvenzordnung" — sagte sie mit ruhiger, sachlicher Stimme und zog ein Dokument mit dem Siegel des Amtsgerichts Köln hervor — „sind ab heute Morgen sämtliche Verfügungen über das Firmenvermögen unwirksam. Ihre Geschäftskonten wurden um neun Uhr dreiundfünfzig gesperrt." Ich sagte ihr, sie rede Unsinn, ich würde sofort meinen Anwalt, Rechtsanwalt Dr. Hoffmann, anrufen, der all unsere Angelegenheiten regele, und persönlich dafür sorgen, dass so eine unverschämte Beamtin ihren Job verliere. Ich zog zwei Fünfzig-Euro-Scheine aus dem Portemonnaie — die hatte ich zufällig für Kleinigkeiten dabei — und drückte sie ihr in die Hand, sie solle sich damit etwas für die ruinierte Schürze kaufen. Sie nahm sie nicht. Sie sah mich an, wie man jemanden ansieht, der bereits verloren hat, es aber noch nicht weiß.

Da bemerkte ich, dass der Rauch unter der Motorhaube dichter wurde, nicht dünner. Und dass auf dem Armaturenbrett eine rote Öldruckkontrollleuchte aufleuchtete, die ich vorher nicht gesehen hatte, weil ich die ganze Zeit diese Frau angestarrt hatte und zu verstehen versuchte, woher sie meine Firmenkontonummer auf den Cent genau kannte.

Statt zu warten, legte ich den Rückwärtsgang ein. Ich wollte einfach wegfahren, nach Hause, die Buchhalterin anrufen, mir selbst noch fünf Minuten lang vormachen, dass sich das alles per Telefon regeln ließe. Sabine wich keinen Schritt zurück — sie stand wie angewurzelt zwischen meinem Wagen und dem Betonpfeiler der Ausfahrt, und ich dachte damals wütend: Die Frau glaubt tatsächlich, sie sei wichtiger als mein Auto. Ich gab mehr Gas, als ich sollte.

Die Kraftstoffleitung, zuvor beim Auffahren auf den Bordstein bei der Bäckerei beschädigt, platzte unter dem Druck. Benzin spritzte auf den heißen Krümmer. Es gab einen dumpfen Knall, und eine Sekunde später schlugen aus dem vorderen Teil des Range Rovers Flammen — orange, heiß, mit einem solchen Gestank nach verbranntem Gummi, dass die Leute an der Straßenbahnhaltestelle am Ebertplatz zu schreien anfingen und in Richtung der Haltestelle „Christophstraße/Mediapark" zurückwichen.

Ich sprang barfuß aus dem Wagen, denn ich hatte in der Panik einen Schuh im Matsch verloren. Sabine zog mich am Ärmel weiter von den Flammen weg, obwohl sie einfach hätte stehen bleiben und zusehen können, wie das Auto eines Mannes brannte, der sie zehn Minuten zuvor noch als Müllfrau beschimpft hatte. Sie sah mich nicht triumphierend an. Sie zog ihr Handy heraus und rief die Feuerwehr, gab die genaue Adresse durch — Ebertplatz, neben der Einfahrt zur Tiefgarage des KölnTurm — noch bevor ich irgendetwas sagen konnte.

Die Feuerwehr kam nach sieben Minuten. Der Range Rover war von der Motorhaube bis zu den Vorderrädern ausgebrannt, der Rest der Karosserie blieb erhalten, verrußt und mit Löschschaum bedeckt. Ich stand daneben, nur in Socken, und sah zu, wie sich der Rauch mit dem Novembernieselregen mischte, und erst da wurde mir klar, dass ich weder ein Auto noch ein Konto mehr hatte, von dem ich das Abschleppen bezahlen könnte.

Drei Wochen später saß ich im Büro der Insolvenzverwalterin in der Vogelsanger Straße, gegenüber derselben Frau, nur diesmal im Kostüm statt in der Schürze, denn es stellte sich heraus, dass Sabine Krüger eine lizenzierte Insolvenzverwalterin war und die Putzschürze an jenem Morgen rein zufällig getragen hatte. Auf dem Schreibtisch zwischen uns lag die Akte des Insolvenzverfahrens meiner Firma und eine Liste mit einunddreißig Personen — Fahrern, Mechanikern, zwei Buchhalterinnen —, denen ich insgesamt 110.000 Euro an ausstehenden Löhnen schuldete.

Sabine triumphierte nicht. Sie sagte nur, ich solle dem Verkauf der Lastwagenflotte im Wege der Zwangsversteigerung zustimmen, sonst gehe der Fall als Verdacht auf Gläubigerbenachteiligung an die Staatsanwaltschaft. Ich unterschrieb. Dreizehn Lastwagen kamen im Dezember unter den Hammer, für insgesamt 240.000 Euro — weniger, als sie wert waren, aber genug, um die ausstehenden Löhne vollständig zu decken und die übrigen Gläubiger innerhalb von achtzehn Monaten zu sechzig Prozent zu befriedigen.

Meine Frau nahm unser zweijähriges Kind und zog zu ihren Eltern nach Bonn, noch bevor das Feuer am Ebertplatz richtig gelöscht war. Ich zog bei meinem Vater ein, in dieselbe Wohnung in Sülz, wo er mir einst beigebracht hatte, dass man eine Firma jahrelang aufbaut und an einem einzigen Tag verliert. Jetzt arbeite ich als Fahrer bei jemand anderem, fahre dieselben Strecken zu den Möbelhäusern, die ich früher als Flottenbesitzer beliefert habe. Manchmal komme ich am Ebertplatz vorbei und sehe an derselben Stelle bei der Tiefgaragenausfahrt noch die dunklen, öligen Spuren des gelöschten Feuers, in den Asphalt eingebrannt wie etwas, das sich nicht mehr übermalen lässt.

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