Der Anruf kam am Dienstagabend, kurz vor elf. Jonas saß über der Steuererklärung für die Werkstatt, die Brille auf die Nasenspitze geschoben, vor sich eine Tabelle voller Zahlen, die einfach nicht aufgehen wollten. Das Handy summte auf der Tischkante. Einmal. Zweimal. Dreimal.
„Nimmst du ab, oder sollen wir die Melodie bis Mitternacht genießen?“
Lea stand in der Tür zum Wohnzimmer, den Pinsel noch in der Hand. Sie restaurierte alte Puppen — eine Arbeit, bei der jede Bewegung sitzen musste. Jonas wusste, wie sehr sie das Summen aus dem Takt brachte.
„Ich weiß, wer das ist“, sagte er, ohne aufzublicken.
„Eben drum.“
Er legte den Kugelschreiber beiseite. Auf dem Display stand ein einziger Name: Nadine. Seine Schwester. Zehn Jahre jünger, und in diesen zehn Jahren hatten ihre Eltern alles in sie hineingestopft, was sie hatten — und einiges, was sie nicht hatten. Jonas hatte früh gelernt, dass seine Rolle eine andere war. Der Ältere. Der, der aufräumt. Der, der bezahlt.
Er nahm ab.
„Jonas! Warum gehst du nie ran?!“ Die Stimme schrill wie eine Straßenbahn in der Kurve. „Ich komme zu euch!“
„Nadine, es ist gleich elf. Was ist los?“
„Was soll los sein? Ich will meinen Bruder besuchen! Ich sitze schon im Zug. In zwei Stunden bin ich in Freiburg. Stell schon mal was zu essen bereit, ich hab den ganzen Tag nichts Richtiges gehabt.“
Aufgelegt.
Jonas ließ das Handy auf die Tischplatte sinken. Neben der Tabelle lag ein halb zusammengebautes Uhrwerk — er reparierte nebenbei alte Armbanduhren, das brachte Ruhe in den Kopf nach einem Tag in der Werkstatt. Jetzt tickte es leise vor sich hin, als würde es warten.
„Sie kommt“, sagte er.
„Für wie lange?“
Es war einer dieser Sätze, die in einer Ehe irgendwann keiner Erklärung mehr bedürfen. Jonas und Lea waren seit zwölf Jahren verheiratet. In diesen zwölf Jahren hatte Nadine viermal bei ihnen gewohnt. Einmal wegen einer Trennung, einmal wegen Schulden, einmal, weil ihre Wohnung renoviert wurde, und einmal ohne jeden Grund, einfach so. Jedes Mal war sie geblieben, bis die Luft raus war.
„Sie sagt, sie bringt Koffer mit.“
Lea stellte den Pinsel vorsichtig in das Glas mit Terpentin. „Dann bringt sie Koffer mit.“
—
Sie kam um halb zwei nachts. Der Geruch zog vor ihr her — schweres Parfüm, das nach Einkaufszentrum roch, dazu kalte Luft von draußen. Sie schleppte zwei riesige Rollkoffer über die Schwelle, blieb mitten im Flur stehen und ließ ihren Mantel einfach auf den Boden fallen.
„Gott, diese Verbindung, ich dachte, ich sterbe. Drei Stunden für dreihundert Kilometer. Und dann noch der Fußweg vom Bahnhof. Warum holst du mich nicht ab?“
„Ich wusste nicht, wann du genau kommst“, sagte Jonas.
„Ich hab doch gesagt, in zwei Stunden.“
„Das war vor drei Stunden.“
Nadine winkte ab. Sie war siebenunddreißig, sah aber zehn Jahre älter aus — aufgedunsen, die Haare an den Spitzen gesplissen, der Lippenstift über den Rand geschmiert. Sie drückte Jonas einen feuchten Kuss auf die Wange und stapfte mit Straßenschuhen in die Küche. Auf dem hellen Holzboden blieben Abdrücke zurück.
„Habt ihr was zu essen? Ich bin am Verhungern.“
Lea kam aus dem Wohnzimmer. Klein, schmal, die Ärmel ihres Arbeitskittels hochgekrempelt. „Guten Abend, Nadine. Es gibt Brot und Käse.“
„Brot und Käse“, wiederholte Nadine, als hätte Lea eine Beleidigung ausgesprochen. Sie riss den Kühlschrank auf. „Und sonst? Ihr esst ja wie die Mönche. Keine Wurst, kein Kuchen. Das ist doch kein Leben.“
Jonas holte den Mantel vom Boden, hängte ihn auf. Wischte den Boden mit einem Tuch ab. Es war eine Bewegung, die er seit der Kindheit kannte: aufräumen, was Nadine hinterließ. Früher waren es die Spielsachen im Kinderzimmer gewesen. Später die Rechnungen, die sie nicht bezahlt hatte. Die Besuche beim Vermieter, bei dem sie im Rückstand war. Die Anrufe bei der Bank.
Seine Mutter hatte noch im Krankenhaus seine Hand gedrückt, trocken und heiß, und gesagt: „Pass auf Nadine auf, Jonas. Versprich es mir.“
Er hatte es versprochen. Er war damals fünfundzwanzig gewesen.
—
In der Küche hatte Nadine sich ein Brett mit Käse zurechtgemacht, die Rinde achtlos auf die Arbeitsplatte gelegt. Sie wartete, bis Jonas sich setzte, dann sagte sie es, mit vollem Mund dazwischen:
„Ich hab meine Wohnung untervermietet. Für ein Jahr. Die Miete kassier ich im Voraus, das Geld brauch ich für den Kredit vom Auto und den vom Sofa. Und für das Wochenende in Paris, das ich der Sabine noch schulde. Also — wo schlaf ich hier?“
Jonas sah zu Lea. Lea sah ihn an. Keiner von beiden sagte zuerst etwas.
„Was guckt ihr so? Das Gästezimmer steht doch sowieso leer. Kinder habt ihr ja keine.“
Der Satz saß. Lea griff nach dem Brotmesser, legte es wieder hin. Nahm einen Krümel vom Tisch, legte ihn auf den Tellerrand. Sie sagte nichts.
„Nadine“, sagte Jonas. „Ein Jahr geht nicht. Wir arbeiten beide von zu Hause. Du weißt, dass das nicht funktioniert.“
„Ach, ihr mit eurer Arbeit.“ Nadine schnitt ein Stück Käse ab, zu groß für den Mund. „Lea malt Puppen an und du schraubst an Autos. Als ob man da nicht mal ein Gespräch führen könnte. Außerdem bin ich deine Schwester, Jonas. Oder willst du mich auf die Straße setzen?“
Da war er wieder, der alte Hebel. Jonas kannte ihn so gut wie das Narbengewebe an seiner linken Hand, von der Tischkreissäge, als er sechzehn war und im Sommer in der Schreinerei jobbte, damit Nadine neue Schuhe bekam.
„Zwei Wochen“, sagte er. „Länger nicht. Such dir was.“
„Zwei Wochen!“ Nadine lachte, als hätte er einen Witz gemacht. „Du bist echt zum Lachen. Ich hab mein ganzes Geld schon verplant. Wovon soll ich denn eine Wohnung zahlen?“
—
Die zwei Wochen wurden ein Monat. Der Monat wurde fast drei.
Nadine schlief bis mittags. Sie duschte dreimal am Tag und ließ das Bad unter Wasser stehen. Sie aß alles, was sie fand, ohne zu fragen, benutzte Leas Gesichtscreme, die sechzig Euro gekostet hatte, und ließ die Tiegel offen stehen. Sie stellte den Fernseher so laut, dass Jonas in der Werkstatt im Souterrain die Moderatorenstimmen durch die Decke hörte.
Aber der schlimmste Moment war ein anderer.
Jonas kam an einem Nachmittag nach Hause, die Hände noch schwarz vom Öl, und ging ins Arbeitszimmer. Er hatte dort Wochen damit verbracht, das Modell eines Rathauses aufzubauen, das er für einen Architekten anfertigte — siebenundvierzig rote Rosen mussten entstehen, jede einzelne aus Stoff, aus dem das Alte Rathaus in Ravensburg, der Heimatstadt der Auftraggeberin, an seinem Geburtstag jedes Jahr geschmückt wurde. Er hatte die Blütenblätter aus echtem Chiffon geschnitten, sechsundzwanzig Rosen waren fertig gewesen. Sechsundzwanzig von siebenundvierzig.
Jetzt lag das Modell schief da. Und quer über dem Turm — ein zusammengeklappter Regenschirm. Nasses Nylon direkt auf dem Papierdach. Das Wasser war in den Karton gezogen, die Farbe verlaufen.
Jonas stand da und rührte sich nicht. Seine Hände waren auf Höhe der Hüften, die Finger leicht gekrümmt, als hielten sie noch das Werkzeug.
Nadine kam die Treppe herunter, das Handy am Ohr.
„…und dann hat sie gesagt, der Flug ist storniert, stell dir vor!“ Sie sah Jonas. „Was ist?“
„Der Schirm.“
„Was für'n Schirm? Ach so. Ja, ich hatte keine Lust, ihn in den Flur zu stellen. Ist doch nur Papier. Machste neu, oder? Du bastelst doch gern.“
Jonas sagte nichts. Er nahm den Schirm vom Modell, trug ihn in den Flur, stellte ihn in den Ständer. Dann ging er zurück, setzte sich auf den Stuhl vor dem Arbeitstisch und blieb zwanzig Minuten sitzen, ohne etwas zu tun. Vom Modell tropfte es leise auf die Unterlage.
—
Am Abend des dreiundachtzigsten Tages — Jonas wusste das so genau, weil er jeden Morgen einen Strich auf die Innenseite des Werkzeugschranks machte, eine Gewohnheit, die er nicht erklären konnte — stand Nadine in der Küche und telefonierte.
„Nein, ich hab's ihm noch nicht gesagt“, hörte Jonas sie sagen, während er aus dem Bad kam. Er blieb am Ende des Flurs stehen. „Der Jonas ist eh so empfindlich. Aber bald. Die Sabine meint, besser vor dem Winter. Ich sag's ihm, wenn die Stimmung passt. Und wenn er blöd macht, hab ich immer noch die Vollmacht von Papa.“
Jonas drehte sich um, ging zurück ins Bad, schloss die Tür ab. Drehte den Wasserhahn auf. Schaute in den Spiegel, während das Wasser lief.
Die Vollmacht.
Ihr Vater war vor sieben Jahren gestorben. Kurz davor hatte er eine Vorsorgevollmacht für beide Kinder ausgestellt, gemeinsam, für den Fall, dass er es selbst nicht mehr regeln konnte. Für das Konto, die kleine Eigentumswohnung in Konstanz, die Wertpapiere. Jonas hatte das Dokument nie benutzt. Er hatte nicht gedacht, dass man es so benutzen konnte, wie Nadine es offenbar vorhatte.
Er stellte das Wasser ab. Tupfte das Gesicht mit dem Handtuch ab. Dann ging er ins Schlafzimmer, holte die graue Kiste unter dem Bett hervor, in der alle Papiere lagen, die sein Vater hinterlassen hatte. Er nahm die Mappe mit der Aufschrift „Vollmacht“ heraus, blätterte, las. Las noch einmal.
Da stand es. Schwarz auf weiß.
Nadine hatte recht. Das Papier gab beiden Kindern gemeinsam die Verfügungsgewalt. Aber es gab eine Bedingung, die sein Vater mit dem Notar besprochen hatte, und die hatte Jonas vergessen gehabt. Oder verdrängt. Eine Bedingung, die in Paragraph sieben stand, im letzten Absatz, in der trockenen Sprache der Juristen.
Er legte die Mappe auf den Tisch. Öffnete die Schublade, nahm den Schlüssel zum Aktenschrank heraus. Im Souterrain brannte noch Licht; Lea würde gleich herunterkommen, um gute Nacht zu sagen und ihn zu fragen, ob er etwas essen wolle. Er musste ihr das zeigen. Aber zuerst musste er etwas anderes tun.
—
Am nächsten Morgen kam Nadine um halb zwölf aus dem Zimmer. Sie trug einen Bademantel, den sie sich aus dem Schrank genommen hatte, ohne zu fragen.
„Ich brauch den Wagen am Wochenende“, sagte sie, ohne guten Morgen. „Ich will zu Sabine nach Stuttgart. Gibst du mir die Karte?“
„Nein.“
Nadine blieb stehen. Der Kaffee in ihrer Tasse schwappte über den Rand.
„Was meinst du, nein?“
„Ich meine nein. Der Wagen gehört der Werkstatt. Die Karte bleibt hier.“ Jonas stand am Tisch, räumte die Tassen in die Spülmaschine. Eine nach der anderen. „Und ich will, dass du am Sonntag ausziehst.“
Jetzt war es still. Zum ersten Mal, seit sie gekommen war, war es wirklich still.
„Sonntag“, wiederholte Nadine. Sie lachte, aber es klang dünn. „Und wohin? Soll ich unter der Brücke schlafen? Du bist verrückt. Du kannst mich nicht rauswerfen. Ich hab dieselben Rechte an Papas Sachen wie du. Und wenn du mich rausschmeißt, geh ich zu einem Anwalt.“
„Dann mach das.“
Jonas trocknete sich die Hände ab. Er nahm die Mappe vom Tisch und legte sie vor sie hin. Aufgeklappt, mit der Seite oben, die er am Abend zuvor markiert hatte.
„Weißt du, was das ist?“
„Eine Vollmacht“, sagte Nadine, ohne hinzusehen. „Na und?“
„Lies Paragraph sieben.“
Sie überflog die Seite, dann noch einmal. Ihre Lippen bewegten sich dabei, wie immer, wenn sie las.
„Wenn ein Bevollmächtigter ohne Zustimmung des anderen verfügt“, fasste Jonas zusammen, „wird die Vollmacht insgesamt unwirksam. Für beide. Das war Papas Bedingung. Und es gibt einen Brief dazu, den er dem Notar hinterlegt hat. Ich hab gestern Abend dort angerufen. Es gibt eine Kopie. Willst du wissen, was drinsteht?“
Nadine sagte nichts. Sie starrte auf das Papier, als wäre es ein Insekt, das über den Tisch kroch.
„Papa wusste, dass du versuchen würdest, an das Geld zu gehen, sobald ich nicht mitspiele“, sagte Jonas. Er war überrascht, wie ruhig seine Stimme war. „Er hat nicht gesagt: Pass auf, dass Nadine nichts bekommt. Er hat gesagt: Wenn du es alleine versuchst, bekommst du gar nichts — und Jonas auch nicht. Damit du das nie anfängst. Damit wir zusammenhalten müssen. So hat er es formuliert. Der Notar hat es mir gestern am Telefon vorgelesen.“
Nadine öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Drehte den Kaffeebecher in den Händen, hin und her.
„Du würdest das niemals durchziehen“, sagte sie.
„Doch.“
„Dann kriegst du auch nichts! Die Wohnung in Konstanz, das Konto — alles. Für was? Nur um mich rauszuekeln? Das macht doch keiner.“
Jonas zog den Stuhl hervor und setzte sich. Nicht gegenüber, sondern an der Seite, sodass sie beide auf die Tür schauen konnten, wie zwei Fahrgäste, die dieselbe Station abwarten.
„Ich hab dreiundachtzig Tage gezählt“, sagte er. „Ich hab den Regenschirm vom Rathaus genommen, als wäre es mein Fehler gewesen. Ich hab deine Spuren vom Boden gewischt, als ich zwölf war, als ich zwanzig war, als ich dreißig war. Das mit dem Geld ist mir egal, Nadine. Das musst du verstehen. Mir ist es selbst noch nicht ganz klar gewesen. Aber es ist mir egal. Ich will einfach nur, dass du gehst.“
Nadine stand auf, so heftig, dass der Stuhl nach hinten kippte. Sie ging Richtung Flur, drehte sich um, zeigte mit dem Finger auf ihn.
„Das wirst du bereuen. Du bist genauso ein Gefühlloser wie Papa. Der hat mich auch immer bestraft, nur weil ich mir mal was gegönnt habe. Und deine Lea? Die hat dich aufgehetzt! Die war's, stimmt's? Dieses stille Miststück mit ihren toten Puppengesichtern — die hat dir das eingeflüstert!“
Jonas blieb sitzen. Er sah zu der Stelle auf dem Fußboden, wo die Vormittagssonne durch das Fenster fiel. Da lag ein Fussel, der sich nicht bewegte.
„Sonntag, Nadine. Bis zwölf. Ich tue dir deine Koffer selbst vors Tor, wenn es sein muss. Und mach das Papier nicht nass, das gehört wieder zurück in den Schrank.“
—
Sie fuhr am Samstagabend ab, nicht am Sonntag. Ein Bekannter holte sie ab, in einem grauen Transporter. Sie warf die Koffer auf die Ladefläche, stieg vorn ein, knallte die Tür. Sie rief noch etwas aus dem Fenster, das Jonas nicht verstand, weil der Motor zu laut war. Dann war der Transporter hinter der Ecke verschwunden.
Lea stand in der Tür, den Puppenkittel noch an. Sie hielt einen Becher Tee in beiden Händen.
„Ist sie weg?“
„Sie ist weg.“
Am nächsten Morgen rief Jonas den Notar in Konstanz an. Er ließ sich eine Kopie des hinterlegten Briefes schicken, nur zur Sicherheit. Er rief den Architekten an, wegen des Rathauses. Die zweiunddreißig Rosen, die übrig waren, hatte er in der dritten Woche nach Nadines Einzug vorsichtshalber in einem Karton auf den Schrank gelegt, deshalb waren nur die Blüten am Turm ruiniert, nicht die Hälfte des Modells. Er bestellte neuen Chiffon in der Farbe 134, Blutrot, zwei Rollen. Er schrieb eine kurze E-Mail an das Finanzamt. Und er machte die Innenseite des Werkzeugschranks sauber, wo die dreiundachtzig Striche standen, mit einem feuchten Lappen, bis man nichts mehr sah.
Die Vollmacht blieb in ihrem Umschlag. Unbenutzt. Wie der Brief es verlangte.
—
Ein halbes Jahr später, Anfang Dezember, kam eine Karte. Ohne Absender. Poststempel aus Hannover. Auf der Vorderseite war ein Weihnachtsbaum abgebildet, der schief stand, mit goldenen Kugeln zu schwer behängt. Innen stand ein einziger Satz, in einer Schrift, die Jonas sofort erkannte:
„Ich lasse dich auch grüßen.“
Er drehte die Karte um, las sie drei-, viermal. Dann stellte er sie auf das Regal im Flur, neben den Teller mit den Weihnachtskeksen aus der Bäckerei am Münster. Lea sah sie an, als sie am Abend nach Hause kam, und legte sie mit der Schrift nach unten, so dass nur der schiefe Baum zu sehen war.
Jonas schraubte an jenem Abend eine Uhr auf, die er schon lange reparieren wollte — die eines alten Freiburger Möbeltischlers aus der Wiehre, Baujahr neunzehnhundertzweiundfünfzig. Sie hatte seit Jahren stillgestanden. Um kurz vor Mitternacht setzte das Werk wieder ein, hörbar, als hätte der Raum einen Herzschlag. Jonas hörte das Ticken. Es war gleichmäßig. Es war fast nichts. Mehr brauchte er nicht.
